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Audi TT RS: Warum dauert das so lange?

Der Audi TT RS hat klare und offensichtliche Schwächen. Und eine hundsmiserable App. Trotzdem: Es gibt viele gute Gründe, den Rennsportler zu fahren.

Der Audi TT RS Coupé 2.5 TFSI quattro hat eine der schönsten und weichsten Formensprachen, die ich in den vergangenen Jahren gesehen haben. Obwohl er aussen schön geschwungen ist, ist es am Ende der Innenraum, in den ich mich verliebt habe. Denn dort zeigt sich die Intelligenz und Kreativität der Designer Audis. Bei der Integration in ein smartes Ökosystem zeigt sich dann, was Krawattenträger mit Verkaufssinn und sonst nicht viel Sinn für irgendwas aus einem Auto machen wollen.

Kurz: Der Audi TT RS gibt zu reden. Fangen wir also mit dem wichtigsten an.

Hinter dem Steuer

Das Wichtigste an einem Auto, trotz aller Smart-Technologie und aller Einrichtung und all dem, ist nach wie vor das Fahrgefühl. Denn niemand kauft sich einen Audi TT, RS oder nicht, weil er ein vernünftiges Auto ist. Der Audi TT soll Spass machen, der TT RS soll Spass machen und ordentlich Leistung in den Teer hauen. Denn das «RS» im Namen steht für «Rennsport».

Ein Rennwagen. Auf der Strasse. Ja, gerne.

Natürlich, in der Schweiz wirst du nie mehr als 120km/h fahren, dadurch der erste Schluss: Der Audi TT RS ist ein Auto gemacht für die Deutsche Autobahn. Denn der 400 PS starke, weisse Rennsportler liegt bei 20km/h genauso stabil auf der Strasse wie bei 120km/h. «Liegen» ist vielleicht das falsche Wort. Der TT RS klebt an der Strasse. Es gibt nur ganz wenig, das den TT RS irgendwie instabil macht. Das beruhigt zum einen, lädt zum anderen zum Rasen ein. Denn du merkst die Geschwindigkeit nicht. Daher ist die Fahrt jederzeit recht gemütlich. Der Motor bollert, vor allem mit offener Klappe, laut vor sich hin, aber hinter dem Steuer bist du entspannter als wenn du an der Ampel wartest.

Der Innenraum ist ein Meisterwerk

Die Sitze sind Rennsitzen oder Schalensitzen nachempfunden, haben aber viele Luxus-Features. Sie sind elektrisch verstellbar und passen sich an deine Form an. Nur wenn du wirklich breite Schultern hast, dann kann es sein, dass sich die Schalenelemente etwas in deine Schulterblätter drücken. Du sitzt tief, trotzdem liegt dir das Steuerrad nicht auf den Knien auf. 

Hinter dem Alcantara-Steuerrad ist der eine Bildschirm des Fahrzeugs. Hier zeigt sich zum ersten Mal, dass der TT RS von Menschen geschaffen wurde, die sich nicht mit dem Standard zufrieden gegeben haben. Der Standard wäre in etwa so: Nimm Auto, ersetze den Instrumenten-Cluster hinter dem Steuerrad durch digitale Anzeigen, bau ein Tablet in die Mitte. Darunter die letzten kümmerlichen Überreste der Einheit, die einst als Autoradio bekannt war, also ein Drehknopf für die Lautstärke, ein USB-Port und ein 3.5mm-Audio-Adapter mit den Buchstaben AUX drunter.

Audi TT RS: Lüftung Screen

Nicht so beim Audi TT RS. Da ist kein Tablet in der Mitte. Der eine Bildschirm ist hinter dem Steuerrad. Dort vereinen sich alle Informationen, die du während der Fahrt brauchst. Geschwindigkeit, Navigation, Telefon, Musik, Umdrehungen und noch einiges mehr hat da seinen Platz und das funktioniert. Der Rest des Fahrzeugs wirkt extrem aufgeräumt und schlau konsolidiert. Die Designer haben nicht einfach alte Elemente durch neue ersetzt, sondern Technologie genutzt um einen sportlichen und aufgeräumten Look in Carbon-Optik hinzukriegen. Da sind kleine Displays in den Luftungsschlitzen. Da ist eine verschliessbare Klappe, in die du dein Handy legen kannst. Wenn es kabellos geladen werden kann, dann wird es geladen. Ein iPhone 11 Pro Max passt da knapp rein, aber rausnehmen wird etwas kompliziert. Im Fach ist der AUX-Anschluss und der USB-Port. 

In der Mittelkonsole hast du als zentrales Bedienelement des Fahrzeugs einen runden Knopf, der einem Volumen-Drehknopf gleicht, aber grösser ist. Er ist gleichzeitig Steuerkreuz und wenn du darauf drückst, bestätigst du die Auswahl. Besonders ist, dass du oben auf der Fläche des Mittelkonsolenknopfs zeichnen kannst. Das kann dann nützlich sein, wenn du im Navi eine Adresse eingeben willst.

Audi TT RS: Bedienelement

Zugegeben: Ich mag das Feature. Sehr. Jeder und jedem, dem ich gesagt habe, dass ich oben auf dem Drehknopf schreiben kann und dass ich das total gut finde, hat irgendwie so reagiert: «Kenn ich. BMW kann das auch». Mir ist das recht egal, denn das Feature ist drüben bei BMW cool, bei Audi auch und wenn Fiat das hätte, dann wäre es auch dort cool.

Das Problem mit dem Zeichnen und dem Knopf ist, dass es so oder so mühsam ist, Adressen einzugeben. Das wäre mit der App einfacher.

Die App, die mich rasend macht

Audi hat, wie jeder moderne Hersteller mit einer modernen Fahrzeuginfrastruktur, eine App (Android und Apple iOS). So gut der Audi als Auto auch ist, so beschissen ist die App. Denn Audi kann schon alles. Du kannst Diagnostikdaten deines Autos abrufen, ja. Du kannst den Wetterbericht in deinem Auto anzeigen lassen, ja. Du kannst ganz viel.

Theoretisch.

Denn irgendein grenzdebiler Krawattenträger bei Audi hat sich überlegt, dass «Car as a service» eine tolle Idee ist. Genau wie bei Spotify kaufst du dir nicht den Service, sondern das Recht, den Service zu benutzen. Die Daten gehören also nicht dir, sondern nur das Recht, den Wetterbericht abzurufen. Für die Diagnostikdaten musst du separat mit deinem Audi-Händler Kontakt aufnehmen, der dich dann als offizieller Eigentümer des Autos im Audi-System erfasst und dir dann das Recht verkauft, Daten über die Datenverbindung deines Handys auf deinem Auto darzustellen.

Das ist eine Frechheit.

Car as a Service ist eine richtig schlechte Idee, auch wenn sie dem Fahrspass nicht schaden. Oder der Performance des Autos. Da zahlst du eine grosse Menge Geld und kannst am Ende. Sogar die Ausstattung deines Fahrzeugs kannst du nicht ohne Zutun deines Audi-Händlers tun. Vielleicht ist wenigstens das gratis. Vielleicht nicht. 

Audi TT RS: Enable reqired
Das ist eine Frechheit.

Daher mein Tipp: Versuch es gar nicht erst mit der App. Frustriert dich nur. Hoffentlich schafft Audi das Feature bald ab und schaltet alle Features pauschal für die Besitzer des Fahrzeugs frei. Bei BMW geht das prima und ist tatsächlich nützlich.

Der Sport-, äh, Dynamikmodus

Fahren wir weiter. Haha. Wortspiel. Lustig. Wie jedes moderne Fahrzeug mit einem fähigen Computer zwischen Steuerrad und Motor, kann der Audi TT RS zwischen Fahrmodi wechseln. Hier haben sich die bei Audi einen kleinen Lapsus geleistet. Mit vollem Namen heisst der Audi TT entweder Audi Tourist Trophy Rennsport oder Audi Tradition and Technology Rennsport. Wo sich die Historiker – die TT-Linie ist schon über 20 Jahre alt – nicht ganz über das «TT» einig sind, ist ist das «RS» bestätigt.

Audi TT RS: Drive Select Button

Wenn du den richtig gut platzierten und designten Knopf auf dem Steuerrad drückst, der deinen Fahrmodus wechselt, dann siehst du als Standard «Comfort» hinterlegt. Der Modus ist schon so ziemlich sportlich, macht viel her. Dann sind da «Auto», «Dynamic» und «Custom». Es fehlt ein Wort: Sport. Der Sportmodus heisst im Audi TT Rennsport «Dynamik»-Modus. Audi hat also einen Sportwagen gemacht, der «Rennsport» im Namen trägt und 400 PS unter der Haube hat. Und kein expliziter Sportmodus.

Audi drosselt dich standardmässig

Wenn du den Dynamikmodus einschaltest, dann bestätigt dir das Fahrzeug mit einem merklich lauten Aufheulen des Motors. Die Klappe im Auspuff geht auf, die Lenkung wird empfindlicher, der Motor zieht bedeutend besser. 

Schön, wenn ein Auto einen Sportmodus hat, der sich massgeblich vom normalen Fahrmodus unterscheidet. Noch schöner, wenn dieser normale Fahrmodus schon ziemlich sportlich ist. Die Lust, den Audi über die 120 zu drücken steigt und ich überlege mir Ausreden: Muss ich meine Butter wirklich im Coop gegenüber kaufen? Die gibt’s sicher auch in Deutschland.

Die Kehrseite dieses richtig gut gelösten Sportmodus ist aber, dass du im Comfort Mode mit gedrosselter Motorleistung fährst. Das ist zwar nicht anders bei anderen Fahrzeugen, aber irgendwie hinterlässt das beim Audi speziell einen schalen Nachgeschmack. Der Sportmodus macht einfach zu viel Spass, wenn du denn mal in Fahrt bist.

Kein Kickdown

Der Audi TT RS kann keinen Kickdown. Das klingt jetzt extrem dämlich, aber ist so. Ein normaler Kickdown geht so: Du fährst langsam, willst schnell fahren. Vor dir niemand, hinter dir keiner. Du kannst das Gaspedal einfach runterstampfen. Der Motor heult sofort auf und innerhalb einer Sekunde drückt es dich in den Sitz und du beschleunigst stark. Das ist eines meiner liebsten Features des Jeep Grand Cherokee SRT 8. Pedal runter, brüllen, Sitz, Speed. Yes.

Der Audi TT RS kann das irgendwie nicht. Du drückst das Gaspedal runter, dann wartest du erstmal zwischen zwei und etwa vier Sekunden. Was macht das Auto da? Schnell in die Küche ein Glas Wasser holen? Und wenn es dann losgeht, dann fühle ich keine 400 PS unter meinem Hintern. Der Lärm ist da, denn der Sound des TT ist super, aber es fehlt die rohe Leistung. Der ganze Kickdown wirkt computergesteuert, entschärft und verharmlost.

Audi TT Rennsport. Renn. Sport. Ich will rennsporten, bitte.

Wenn du denn aber auf Geschwindigkeit bist, dann fährt sich der Audi extrem schön. Selten bin ich so schön und ruhig auf den Strassen gefahren. Schnelle, dynamische Spurwechsel, der Audi klebt an der Strasse. Parkieren? Ich könnte den kurzen und extrem manövrierbaren Audi quer in jede Parklücke fahren.

Der Fahrspass, der mir der Audi TT RS bringt, ist so gross, dass ich gerne über seine Schwächen hinwegblicke. Wer braucht schon eine App? So grundsätzlich? Wer braucht schon einen Kickdown, wenn das Auto jederzeit an der Strasse klebt? Denn ich will immer noch mit dem TT RS auf eine Rennstrecke. Oder auf die deutsche Autobahn.